Manchmal bin ich unbequem

Man nennt das das «prophetische Amt» der Kirche. Genauso wie die Propheten im Alten Testament ihre Könige kritisiert, Unrecht beim Namen genannt und sich no in die Nesseln gesetzt haben, so muss die Kirche noch heute ab und zu die Stimme erheben um Unrecht und Unterdrückung anzuprangern. Sie soll nicht nur trösten, sondern, wie es auch in der Verfassung der reformierten Berner Kirche (1946) steht, «alles Unrecht sowie jede leibliche und geistige Not und ihre Ursachen» bekämpfen. Sicher hat sie manchmal auch Unrecht oder wird überstimmt (wie bei der Konzernverantwortungs-Initiative). Aber oft weist sie auf wunde Punkte in Gesellschaft, Politik und Verwaltung hin.

In einem Bericht, welcher die Berner Regierung 1987 anlässlich des Kirchenasyl-Engagements der Kirche in Auftrag gegeben hatte, wird der Kirche eine Art «Hofnarren-Funktion» zugestanden: «Den Kirchen wird also sowohl ein Einfluss – und damit anscheinend auch eine Aufgabe – gegenüber dem seelischen Wohl der Individuen wie gegenüber politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen zuerkannt» (Quelle, S.49).

Es ist klar, dass die Kirche nicht zu jedem politischen Geschäft Stellung beziehen soll – oft ist sie sich ja selber nicht ganz einig. Aber dort, wo Unrecht geschieht, muss sie ihrem Gewissen folgen und unbequem sein. Zum Wohle aller.

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