Gopfertami!

Kraftwörter zu gebrauchen soll sogar gesund sein und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, hat etwa die Forscherin Emma Byrne herausgefunden. Sind die Zeiten vorbei, da Fluchen noch eine Sünde war? Es kommt auf die Haltung an. Vulgäre Ausdrücke können in schwierigen Situationen entlastend wirken (etwa, wenn Sie sich mit dem Hammer auf den Daumen hauen), aber sie können auch Menschen verletzen, herabwürdigen, ausgrenzen.

Fluchen kommt ja vom «Fluch», das ist eine Art magische Handlung, mit der man jemanden bestrafte. In einer Gesellschaft, in der alle an Magie glaubten, war das eine harte Strafe, die wie ein Damoklesschwert über dem Verfluchten hing. Etwas von dem ist ja beim Mobbing geblieben: Wenn das Opfer den Herabwürdigungen glaubt, wird es verletzt. Hat es genug Selbstvertrauen, kann es ihm weniger anhaben.

Damit ein Fluch wirken konnte, musste er im Namen eines Gottes ausgesprochen werden (wie ein Segen auch, das Gegenteil des Fluches). Deshalb kommen in unseren stärksten Kraftwörtern noch immer religiöse Formen vor: Sackermänt! Heilandzack! Himutonner! (germanischer Gott Donar) Gopfertami! Vielleicht steckt darin die Erinnerung, dass man Gott mit der Vergeltung oder Bestrafung beauftragte, weil man selber die Mittel dazu nicht hatte.

Fluchen ist also eine ganz religiöse Angelegenheit – das ist uns häufig gar nicht bewusst.

Mehr darüber: https://de.wikipedia.org/wiki/Fluch

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